Deutsche Dienststelle (WASt)
 

Kriegskinder

Kriegskinder suchen ihre Väter

Eine ganz spezielle, weil besonders sensible Aufgabe stellen die Suchanfragen von Kindern nach ihren Vätern dar. Die Kriegsteilnehmer auf deutscher Seite hatten in den besetzten Gebieten nicht selten private Kontakte zur dortigen Bevölkerung. Infolge dieser Beziehungen wurden auch Kinder geboren, die durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse ihre Väter nie kennengelernt haben. Nachforschungen gestalten sich oft sehr schwierig, zumal in machen Ländern Europas diese Geschehnisse tabuisiert wurden. In Frankreich etwa oder in Norwegen war es lange Zeit nicht opportun, als „Besatzungskind“ zu gelten.

Erst eine erweiterte Versöhnungsbereitschaft sowie teilweise auch neue Gesetzgebungen haben in den vergangenen Jahren zu einer Bewusstseinsveränderung geführt. Ergebnis dessen ist, dass die Deutsche Dienststelle (WASt) fast täglich neue Anfragen mit der Bitte um Feststellung des leiblichen Vaters erreichen. Die Mitarbeiter der Dienststelle werden dabei oftmals vor große Probleme gestellt. Nur selten sind konkrete Angaben zu den Personalien des Gesuchten vorhanden. Trotzdem konnten in der Vergangenheit nicht wenige der Nachgefragten ermittelt und ein Kontakt hergestellt werden, vorausgesetzt, die Betreffenden haben das Kriegsgeschehen und die weiteren Nachkriegsjahrzehnte überlebt.

Suchanträge nach Vätern bzw. inzwischen teilweise auch schon nach den Großvätern gibt es nicht nur aus den besetzten Gebieten. Unkenntnis der familiären Wurzeln gab es kriegsbedingt auch im deutschen Raum. Außerordentlich schwer stellt sich die Situation für die sogenannten „Lebensborn-Kinder“ dar. In NS-Heimen als Waisen bzw. bei Pflegeeltern aufgewachsen und später zur Adoption freigegeben, ist der Nachweis der Abstammung hier besonders schwer zu führen.

 


Zwei Schwestern suchen sich. Eine wahre Geschichte!

Vor einigen Monaten erhielt die Deutsche Dienststelle (WASt) eine Anfrage aus Frankreich. J. geboren 1948, suchte ihren leiblichen Vater, einen ehemaligen Kriegsgefangenen, der bis 1949 in Frankreich zur Arbeit eingesetzt wurde. Sie kannte seinen Namen und sein Geburtsdatum, hatte aber bis dahin nicht gewagt, nach ihm zu suchen.

Aufgrund der Angaben konnte ihr Vater in den Unterlagen der Deutschen Dienststelle (WASt) über Kriegsgefangene sehr bald ermittelt werden. Es stellte sich zwar heraus, dass er 1993 verstorben war; wir fanden jedoch den Namen und die Anschrift einer Tochter in Deutschland.

Wir schlugen J. in Frankreich vor, uns einen persönlichen Brief und Fotos für ihre Schwester in Deutschland zuzusenden. Einige Wochen vergingen und nichts geschah. Wie sich später herausstellte, hatte sie zu große Angst, ihre Schwester zu schockieren oder auch von ihr abgelehnt zu werden.

Zwischenzeitlich erhielt die Deutsche Dienststelle (WASt) eine Anfrage aus Deutschland. A. hatte vor kurzem von ihrer 90-jährigen Mutter erfahren, dass sie eine Halbschwester in Frankreich hat. Ihr Vater war bis 1949 als Kriegsgefangener in einem Dorf im Südwesten von Frankreich.

Nach Einverständnissen der Schwestern konnte die Deutsche Dienststelle (WASt) die Anschriften weiter leiten und so beide zusammen bringen.

Folgende Zeilen erhielt die Deutsche Dienststelle (WASt) kurze Zeit später:

Ihre Mail ist ein riesiges Weihnachtsgeschenk für mich, einfach unfassbar! Ich freue mich so sehr, dass Sie den Kontakt zu meiner Schwester knüpfen konnten. Das ich eigentlich schon viele Jahre nach ihr suche, ist eine lange Geschichte. 2009 sind wir auf Spurensuche nach den Dörfern in Frankreich gegangen, in denen mein Vater gearbeitet hat. Wie konnten wir ahnen, dass wir so dicht an des Rätsels Lösung waren. Wie konnte ich vermuten, dass man dem Mädchen gesagt hat, dass sie das Kind eines Deutschen ist? Wie gesagt - eine lange Geschichte.

Alle Details werde ich meiner Schwester in Frankreich so bald wie möglich erzählen.

Ein Verständigungsproblem wird es nicht geben, denn auch wenn ich selbst nicht französisch spreche, habe ich meinen privaten Dolmetscher im Haus: Mein Mann ist Französischlehrer.

 

 


Hier ein Beispiel aus der Praxis:

Béatrice und Ihre Halbschwester

Im Oktober 2014 treffen sich zum allerersten Mal Halbgeschwister, die noch vor kurzer Zeit nichts voneinander wussten. Im Februar 2014 bat Frau Béatrice A. die Deutsche Dienststelle (WASt) um Hilfe bei der Suche nach der genauen Identität und nach dem Verbleib ihres leiblichen Vaters:

H. Eichelmann , geboren ca. 1920, aus der Gegend von Magdeburg kommend, der 1946 - 1947 in Roëllecourt, einem kleinen Dorf in Nordfrankreich, als Kriegsgefangener zur Arbeit auf einem Bauernhof eingesetzt war. Dort lernte er Bèatrices Mutter – Micheline – kennen und sie kam im April 1947 zur Welt. Er war jedoch bereits in Deutschland verheiratet und hatte einen Sohn, dessen Fotografie nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Januar 1948 in Frankreich blieb und von Béatrice liebevoll aufbewahrt wurde.
Die Recherchen in den Unterlagen der Deutschen Dienststelle (WASt) über deutsche Kriegsgefangene in Frankreich führen zu einem positiven Ergebnis: H. Eichelmann, geboren 1919 in der Nähe von Magdeburg, war als Kriegsgefangener im Lager von Dannes im Departement Pas-de-Calais in Nordfrankreich interniert. Von dort wurde er vermutlich – wie viele andere Kriegsgefangene – zur Arbeit in der Landwirtschaft im ganzen Departement eingesetzt.

Recherchen über seinen Verbleib ergeben, dass er bereits im September 1976 verstorben ist. Die Nachricht macht Béatrice traurig aber zugleich glücklich. Endlich weiß sie, wer ihr Vater war.