Deutsche Dienststelle (WASt)
 

Unterlagen der DD-WASt

Kriegsgefangenenunterlagen

Gemäß des Genfer Abkommens über die Behandlung der Kriegsgefangenen vom 27. Juli 1929 waren die unterzeichnenden Staaten verpflichtet, im Kriegsfall die gegnerischen Kriegsgefangenen zu dokumentieren. Die Gefangenen wurden von den Gewahrsamsmächten über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz an die jeweiligen Heimatstaaten gemeldet. Da die Sowjetunion dem Abkommen nicht beigetreten war,  wurden weder die deutschen noch die sowjetischen Gefangenen über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf (IKRK) gemeldet.

Die Genfer Konvention sah einen Austausch der Kriegsgefangenendokumentationen nach Friedensschluss vor. Nach der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Reiches kam es nicht zum Austausch der Dokumentationen. Die nach Thüringen ausgelagerten Unterlagen zu Ausländern in deutschem Gewahrsam wurden 1945 durch die Alliierten beschlagnahmt.

Die Dokumentationen der deutschen Kriegsgefangenen in westalliiertem Gewahrsam wurden im Verlauf der fünfziger und sechziger Jahre der Deutschen Dienststelle (WASt) übergeben.

Die in der Deutschen Dienststelle (WASt) verwahrten Kriegsgefangenenunterlagen sind in zwei große Bestände gegliedert:


I. Die Unterlagen über deutsche Kriegsgefangene in westalliiertem Gewahrsam

aufklappen

  • Unterlagen über deutsche Kriegsgefangene in westalliiertem Gewahrsam:

    • Vereinigte Staaten von Amerika, ca. 2.189.500 Personalakten: Enthalten Personaldaten der Gefangenen, Tag und Ort der Gefangennahme, Ort (Camps) und Dauer der Kriegsgefangenschaft, ggf. Krankenunterlagen u. a.
    • Großbritannien, Meldungen des Prisoners of War Information Bureau London, ca 3.630.000 Personalblätter: Enthalten Personaldaten der Gefangenen, Tag und Ort der Gefangennahme, Ort (Camps) und Dauer der Kriegsgefangenschaft.
    • Frankreich, ca 1.210.000 Personalblätter und 1.210.000 Dossiers: Enthalten Personaldaten der Gefangenen, Tag und Ort der Gefangennahme, Ort (Depots) und Dauer der Kriegsgefangenschaft, ggf. Krankenunterlagen u. a.
    • Belgien, 63.000 Personalakten: Enthalten Personaldaten der Gefangenen, Tag und Ort der Gefangennahme, Ort und Dauer der Kriegsgefangenschaft, ggf. Krankenunterlagen u. a.

  • Deutsche in östlichem Gewahrsam: Aus östlichem Gewahrsam liegen nur Meldungen vor, wenn die Kriegsgefangenen mit einem geschlossenen Transport in die Bundesrepublik Deutschland zurückkehrten und in hierfür errichteten Lagern entlassen wurden.

II. Die Unterlagen über ausländische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam und Angehörige fremdländischer Verbände

aufklappen

Nachdem die Unterlagen über ausländische Kriegsgefangene 1945 durch die alliierten Truppen beschlagnahmt waren, wurde die zuständige Bearbeitungsstelle aufgelöst. Da aber nach Kriegsende zahlreiche Meldungen, zum Beispiel Listen von Lazaretten, Gefangenenlagern und Friedhofsverwaltungen eingingen, wurde eine neue Ausländerkartei aufgebaut, die ebenfalls nach Nationen geordnet wurde. Diese beinhaltet auch Karteikarten von Angehörigen fremdländischer Verbände, die im Rahmen der Wehrmacht eingesetzt waren. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden in mehreren Schritten Teilbestände, die in der DDR verblieben waren, an die Deutsche Dienststelle (WASt) abgegeben.

 

  • Fremdländische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam und Angehörige landeseigener Verbände, nach Nationen geordnete Kartei mit ca. 1.500.000 Karteikarten: Enthalten Personaldaten, Auftragungen verschiedenster Art, zum Beispiel Lazarettmeldungen, Todesmeldungen, Anfragen u. a.